Andacht zum Juli 2024

Du sollst dich nicht der Mehrheit anschließen, wenn sie im Unrecht ist.  (2. Mose 23, 3)

Die aktuellen Mehrheiten und Minderheiten wurden jüngst bei den unterschiedlichsten Wahlen festgelegt. Nun gilt es, Koalitionen und Fraktionen zu bilden, um handlungsfähig zu bleiben und um relevante Belange aktiv einzubringen. Einen Konsens zu finden oder einen Kompromiss auszuhandeln, waren schon immer die Stärken der Demokratie. Solch hohes Gut will mit Weisheit und Bedacht zum Zuge kommen, um nicht dem Flügelkampf zu erliegen oder gar die Fronten zu verhärten.

Mehrheiten und Minderheiten sind zumeist objektiv im Zahlenwerk definierbar – bei der Frage nach Recht bzw. Unrecht wird’s schon subjektiver. Doch unser Monatsvers spricht ja nicht von der politischen Opposition (deren Aufgabe es sein mag, die herrschende Meinung zu kritisieren), sondern hat einen anderen „Sitz im Leben“. Im Kontext von Exodus 23 geht es um eine Reihe von Einzelbestimmungen, die eine Freund/Feind-Ethik ganz praktisch im persönlichen Alltag beschreiben.

Solche Bestimmungen atmen stets den Geist der Bergpredigt im Matthäus-Evangelium, Kapitel 5-7. Dies verwundert nicht, weil Jesus von Nazareth ja nichts anderes machte, als zur ursprünglichen Absicht der Thora zurückzuführen. Auf den Punkt gebracht: „Sei als Mensch deinem Mitmenschen ein Mensch!“ Oder anders: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Anwendungsfelder gibt es viele. Ein paar Beispiele aus dem Kontext des Monatsverses, 2. Mo 23: „Verbreite kein falsches Gerücht!“ (V. 1) „Wenn sich der Esel deines Feindes verirrt, bring ihm diesen zurück.“ (V. 4) „Halte dich fern von einer Sache, bei der Lüge im Spiel ist!“ (V. 7) „Lass dich nicht durch Geschenke bestechen!“ (V. 8)

Im Grunde genommen geht es bei allen Alltagsentscheidungen darum, seine eigene Integrität nicht zu verlieren. Verlockungen gibt es viele. Mal eben kurz die Unwahrheit sagen, um sich dem eigenen Unvermögen nicht stellen zu müssen. Mal eben kurz einen Dritten in Abwesenheit denunzieren, um Intrigen zu spinnen. Mal eben schnell dem Mainstream folgen, wohl wissentlich, dass er falsch liegt. Mal eben schnell den eigenen unlauteren Vorteil erhaschen.

Ein Fisch, der gegen den Strom schwimmt, hat‘s bekanntlich schwerer. Doch dies scheint in der Tat besonders geboten, wenn die Schwarmintelligenz versagt. Unser Monatsvers ist im Duktus der 10 Gebote gehalten: „Du sollst …!“ Diese Anweisung ist also nicht abhängig von deiner Tageslaune, oder von deiner Beliebtheits-Skala, oder von der politischen Großwetterlage.

Sicherlich haben Christen nur dann eine gesellschaftliche Relevanz, wenn sie auch für ihren Wertekanon einstehen. In dieselbe Tröte zu blasen, wie es alle tun, ist oft einfacher und stressfreier. Aber entscheidend bleibt, ob Gottes Recht gebeugt wird oder nicht. Es geht nicht um diejenigen, die am lautesten schreien oder sich brillant in Szene zu setzen wissen. Sondern bei der Perspektive und Rechtsprechung Gottes handelt es sich um einen inhaltlichen Qualitätsstandard, der SEINEM Herzen entspricht.

Deshalb braucht‘s in unseren Tagen mehr denn je Frauen und Männer nach dem Herzen Gottes, die für Recht und Wahrhaftigkeit einstehen. Bist du mit dabei?

Maik Berghaus

Jahreslosung 2024